Danke Rolo!

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Nach 14 Jahren FCL resultiert für Roland Beekhuis eine Geschichte, wie sie wohl nur die Kreisliga schreibt. FCL-Grafik: Mirko Weets
Nach 14 Jahren FCL resultiert für Roland Beekhuis eine Geschichte, wie sie wohl nur die Kreisliga schreibt. FCL-Grafik: Mirko Weets

Aufmerksamen FCL-Anhängern wird in den letzten Wochen ein Post der Pewsumer „U32“ aufgefallen sein, in dem sie Roland Beekhuis als Neuzugang für die Spielzeit 2022/2023 ankündigten. Schweren Herzens bestätigen wir heute diese Meldung, womit im Sommer nach unglaublichen 14 Jahren das schwarz-weiße Kapitel als sportlich Aktiver für Roland bei unserem FC Loquard endet. Wir nehmen dies zum Anlass, um auf Rolands Zeit bei unserem FC Loquard zurückzuschauen und haben uns mit alten Weggefährten von ihm unterhalten. Herausgekommen ist eine Geschichte, wie sie wohl nur die Kreisliga schreibt.

Als für Roland zur Spielzeit 2008/2009 der Schritt aus dem Jugend- in den Herrenbereich anstand, war es unser damaliger FCL-Cheftrainer Thorsten Ulferts, der seine Fühler nach Roland ausstreckte und den Nachwuchstorhüter von einem Wechsel vom TuS Pewsum zu unserem FC Loquard überzeugte. „Um ehrlich zu sein war Thorsten Ulferts damals der einzige Trainer, der sich wirklich um mich bemüht hat. Ein Schritt in das Herrenteam des TuS Pewsum erschien mir wenig sinnvoll, da ich mir dort keine Spielzeit ausgerechnet habe. Ähnlich sah es bei „JUP“ (Jennelt/ Uttum/ Pewsum II) aus, für die mit Andy Akkermann einer der besten Torhüter der gesamten Region im Tor stand. Somit wagte ich den Schritt zum FC Loquard“, erinnert sich Roland.

Unser FCL verfügte mit Dennis Poets zu der Zeit über eine gestandene und bewährte Nummer Eins, weswegen die Machtverhältnisse im Loquarder Tor zunächst klar verteilt waren: Poets blieb die Nummer Eins und der junge Roland der Herausforderer.

„Von Anfang haben haben Roland und ich uns trotz der Konkurrenzsituation gut verstanden. Wahrscheinlich auch deshalb, weil er wie ich ein fauler Sack war“, so Poets mit einem Augenzwinkern.

Es erforderte Geduld vom eher als ungeduldig bekannten Roland, ehe sich seine Chance im Loquarder Tor bot. Doch einmal im Kasten angekommen, sollte er seinen Platz als Schlussmann unseres FCL nicht mehr verlieren: „Unser damaliger Torwarttrainer Sascha Ukena und ich hatten Roland im Vorfeld der Spielzeit beobachtet und wussten, dass wir mit ihm einen guten Torhüter bekommen. Insofern hatte ich nach einem kurzfristigen Ausfall von Dennis Poets keinerlei Bedenken, Roland ins Tor zu stellen, weil er im Training immer seine Leistung gebracht hatte, Dennis aufgrund fehlerfreier Leistungen bis zu seinem Ausfall jedoch keinen Grund für einen Torwartwechsel bot. Bei seinem Debüt gegen den späteren Meister, den SV Leybucht, zeigte Roland auf Anhieb eine Weltklasse-Leistung. Noch heute werde ich von ehemaligen Leybucht-Akteuren darauf angesprochen, dass Roland an diesem Tag einfach sensationell war“, so sein damaliger Trainer Thorsten Ulferts, dessen Vertrauen Roland fortan besaß und in einer Art und Weise zurückzahlte, die ihn zu einem der besten Torhüter der lokalen Fußball-Szene werden ließ. Unter Ulferts gelang Roland der Aufstieg in die neu installierte Ostfrieslandliga, außerdem konnte der prestigeträchtige Krummhörn-Cup im Jahr 2011 nach langem Warten wieder einmal nach Loquard geholt werden.

Vor der Spielzeit 2013/2014 endete die siebenjährige Amtszeit von Thorsten Ulferts und mit Markus Dielenschneider nahm ein neuer FCL-Cheftrainer seine Tätigkeit auf. Im Gepäck hatte Dielenschneider Andy Akkermann, was zur Folge hatte, dass für unsere Loquarder ein Luxusproblem auf der Torhüterposition entstand, das auch über die Ortsgrenzen hinaus wahrgenommen und von der Lokalpresse in Form eines Sonderberichts dargestellt wurde.

„Der mir seit Jahren gut bekannte Roland war in Sachen zu erwartender Spielzeit mit Sicherheit kein Pro-Argument für einen Wechsel zum FC Loquard: Stetig hatte er sich über die Jahre zu einem hervorragenden Torhüter weiterentwickelt und stellte als Teamplayer und Persönlichkeit einen echten Pfeiler der Mannschaft dar. Der Erfolg des Teams, die mir bekannten Gesichter und die gesamte Dynamik des Vereins haben dann schlussendlich aber doch überwogen, sodass mein Wechsel zum FCL folgte. Was sich dann in den darauffolgenden Monaten entwickelte, hat mich tief beeindruckt: Roland selbst, als Nummer Eins, schlug unserem Trainer Markus Dielenschneider eine Torhüter-Rotation vor, die alle zwei Spiele einen Wechsel im FCL-Tor vorsah. Dadurch ermöglichte mir Roland aus freien Stücken, aktiver Bestandteil und damit Baustein dieser tollen Mannschaft zu werden“, so Akkermann, der neben Rolands sportlichen Fähigkeiten vor allem seinen Charakter hervorhebt: „Obwohl Roland selbstlos auf Spielzeit verzichtet hat, haben wir uns in jedem Training oder Spiel gegenseitig angefeuert und somit auf das nächste Level gebracht. Ich kann Roland retrospektiv nicht genug für unsere Zeit beim FC Loquard danken“, so Akkermann.

Der Teamgedanke unserer Torhüter schlug sich auf die weiteren Mannschaftsteile nieder und so gelang es dem Team um Cheftrainer Dielenschneider tatsächlich, nach dreißigjähriger Abstinenz als Tabellenzweiter in die Bezirksliga aufzusteigen.

„Mit Andy und Roland hatten wir in einer Mannschaft zwei der herausragenden Torhüter der Region zusammengebracht. Sehr schnell merkte man dabei, dass sich beide Torhüter auf ein noch höheres Level pushten. Durch ihren gegenseitigen Respekt, Ehrgeiz, Willen sowie ihr Talent waren die Einheiten ein absoluter Genuss für jeden Fußballtrainer. Nach einer solchen Einheit kam Rolo auf mich zu und bot, als im Voraus festgelegte Nummer Eins, an, dass er und Andy sich im Tor abwechseln können. Dieser Vorschlag verdiente meinen absoluten Respekt. Er zeigte ganz klar auf, was Rolo für einen tollen Charakter besitzt. Mit dieser Entscheidung hatte er dem Team, seinem Trainerteam und vor allem seinen „Konkurrenten“ Andy einen riesigen und aufopfernden Dienst erwiesen, wovon alle Beteiligten profitierten“, erinnert sich Markus Dielenschneider.

Im Folgejahr gelang es unseren Mannen jedoch nicht, die Klasse zu halten, sodass wenige Spieltage vor Saisonende der Abstieg fest- und der bittere Gang zurück in die Ostfrieslandliga anstand.

Roland beschritt diesen Weg als Feldspieler, besann er sich noch während der Bezirksliga-Saison auf seine fußballerischen Anfänge im Feld zurück, womit er nicht nur seine Mitspieler, sondern auch seinen Trainer überraschte: „Roland war als Torwart schon immer einer, der in Laufeinheiten immer ganz vorne weglief. Seine Qualitäten mit dem Ball am Fuß waren auch überragend und somit brauchte ich nicht lange überlegen, als Rolo mir sagte, dass er als Feldspieler noch einmal angreifen möchte. Mit seiner Erfahrung, seinem unermüdlichen Einsatz und Willen hat er sich auch als Feldspieler immer in den Dienst der Mannschaft und des gesamten Vereins gestellt“, so Dielenschneider.

Auch im Feld überzeugte Roland, sodass er sich auf Anhieb als Stammspieler etablierte und seinen Anteil dazu beitrug, dass sich unser FC Loquard in einer Saison unter schwierigen Vorzeichen in der Ostfrieslandliga hielt. Nach drei äußerst erfolgreichen Jahren endete auch die Amtszeit von Dielenschneider als FCL-Cheftrainer. Sascha Ukena wurde sein Nachfolger in sportlich verantwortlicher Position und ließ Roland in einer seiner ersten Amtshandlungen eine große Ehre zuteilwerden: Fortan sollte Roland unsere Loquarder als Kapitän anführen und vorweg marschieren – die logische Konsequenz vergangener Spielzeiten, in denen Roland zu einem der Köpfe des Teams aufstieg. Stolz ob der Loquarder Kapitäns-Historie, führte Roland fortan sein Amt aus, ehe ihn eine Verletzung ausbremste, die für die meisten Sportler das sofortige Karriereende bedeutet hätte: „Es fing an mit Schmerzen in der Hüfte, die mit zunehmender Zeit immer schlimmer wurden. Ärzte vermuteten eine Rückenproblematik, jedoch stellten sich auch nach wiederholtem Einrenken keinerlei Verbesserungen ein, sodass ich auf Rat einer Arbeitskollegin zu Dr. Müller nach Westerstede fuhr, der entgegen den vorherigen Diagnosen kein Rücken-, sondern ein Hüftproblem feststellte. Dr. Müller war derart schockiert vom Zustand meiner Hüfte, dass er mir zum sofortigen Karriereende riet: Zu viel Knochen an zwei Stellen der Hüfte, beginnende Arthrose, leichter Knorpelschaden und Zysten, die sich gebildet hatten, lautete seine Horrordiagnose. Zur Zweitmeinung verwies mich Dr. Müller zu einem Spezialisten für Hüftgelenke nach Hamburg, der mich dann ein halbes Jahr später dreieinhalb Stunden operiert hat, dabei zwei Schrauben und kleine Metallplatten in die Hüfte setzte“, so Roland, den bis heute eine 20 Centimeter lange Narbe an den Eingriff erinnert.

Sportlich machte sich das Fehlen Rolands sofort bemerkbar. Neben Roland verletzten sich mit Christian Janssen und Kai Tammeus zudem zwei weitere Leistungsträger schwer, was die junge Mannschaft letztendlich nicht kompensieren konnte: Am Ende der Spielzeit 2016/2017 stand nach dem Abstieg der bittere Gang in die Ostfrieslandklasse an, wo die Loquarder Talfahrt auch in der darauffolgenden Saison zunächst nicht stoppte, sodass im Oktober 2017 die Reißleine gezogen und mit André Popp und Stefan Mulder ein neues Trainerteam installiert werden musste. Unter dem neuen Trainerteam gelang das nicht mehr für möglich gehaltene „Wunder von Hollen“, bei dem am letzten Spieltag der zwischenzeitlich in weite Ferne gerückte Klassenerhalt gefeiert wurde. Roland feierte neben dem Klassenerhalt zudem seine lang ersehnte Rückkehr auf das Loquarder Grün. Unzählige Stunden hatte er sich gequält, um endlich wieder mit seinen Jungs auf dem Platz stehen zu können.

Auch am Ende der darauffolgenden Saison sollte Roland Grund zum Feiern haben, denn unsere Loquarder brannten eine Saison, die ihres Gleichen suchte in die Plätze der Region: Mehr als 100 erzielte Tore und eine Tabellenführung, die man am ersten Spieltag ergatterte und fortan zu keinem Zeitpunkt mehr aus den Händen gab, bedeuteten die Meisterschaft in der Ostfrieslandklasse und den damit verbundenen Aufstieg in die Ostfrieslandliga. Roland vollzog in dieser Spielzeit endgültig seine eindrucksvolle Rückkehr: Entgegen allen Voraussagen war er erneut ein Fixpunkt des Teams und konnte am Ende der Spielzeit die Meisterschale küssen. Zudem stieg Roland, der sich seit Jahren auch abseits des Platzes für die Belange unseres Vereines einsetzte, zum Zweiten Vorsitzenden auf.

„Spieler wie Roland, die die Mentalität haben, alles für ihre Mannschaft zu geben, sind rar gesät. Roland ist ein Führungsspieler, der auf dem Platz lautstark, aber klug dirigiert, was unheimlich wichtig für unser junges Team ist. Sein Beitrag zum Klassenerhalt und der Meisterschaft eine Spielzeit später waren immens“, so unser aktueller FCL-Trainer André Popp.

Das Abenteuer Ostfrieslandliga endete durch die Corona-Pandemie jäh und mit Quotientenregelung, was für unseren FCL einen Platz im gesicherten Mittelfeld bedeutete – ein sportliches Highlight hatte die Spielzeit jedoch noch in petto: Der Pokalsieger sollte in einem Elfmeterschießen unter den im Wettbewerb verbliebenen Teams ausgeschossen werden. Da unsere etatmäßige Nummer Eins Lukas Meinen an diesem Tag verletzungsbedingt verhindert war, stellte Popp Roland in die Kiste und der drehte die Uhr kräftig zurück, indem er sich zurück auf vergangene Tage besann: Mit einer unfassbaren Anzahl an gehaltenen Elfmertern sicherte Roland unseren Mannen Sieg um Sieg und sorgte somit dafür, dass am Ende des Turnieres der Pokal in FCL-Besitz war.

Das pandemische Fortschreiten bremsten die durch den Pokalsieg hervorgerufene Loquarder Euphorie, denn die ohnehin spät begonnene Spielzeit 2020/2021 endete coronabedingt vorzeitig und ohne jegliche Wertung. Neben der fußballerischen Zwangspause plagten Roland zu dieser Zeit abermals Schmerzen im Hüftbereich: „Nach einer gewissen Zeit fingen die Schmerzen wieder an, sodass ich häufig in der Nacht durch sie geweckt wurde. Ich begab mich erneut in die medizinische Obhut von Dr. Müller, der mich nach Bremen verwies, wo ich im Mai 2021 erneut operiert wurde. Ich hatte gehofft, dass ich nach sechs Wochen wieder mit dem Sport beginnen darf, doch aus sechs Wochen wurde fast ein gesamtes Jahr Pause“, so Roland, der trotz dieser für ihn sportlich schweren Zeit privat sein wohl größtes Glück in den Händen hielt: Am 16.09.2021 brachte Rolands Frau Liza, die für die Bezirksliga-Frauen des TB Twixlum auf Torejagd geht, Sohn Paul auf die Welt, der zusammen mit Hündin Lucy das Familienglück im Hause Beekhuis endgültig komplettierte.

Und auch sportlich sollte es endlich bald wieder aufwärts gehen: Nachdem Roland grünes Licht von seinen Ärzten erhielt, konnte sein behutsamer Aufbau beginnen und damit sein erneutes Comeback vorbereitet werden – Pustekuchen! In der Ersten Mannschaft herrschte große Personalnot und so rotierte Roland ohne Anlauf aus dem Krankheitsstand in die Startelf – und wie er das tat: Als wäre er nie weg gewesen, steht Roland in dieser Saison seinen Mann in der FCL-Innenverteidigung und hat mit Nebenmann Kai Tammeus maßgeblichen Anteil daran, dass unser FC Loquard über die beste Defensive der gesamten Liga verfügt, wie auch unser Cheftrainer André Popp weiß: „Ich war unglaublich froh, als Roland nach seiner Operation auf den Platz zurückkehrte und mit seiner Führungsstärke und fußballerischen Klasse sofort eine Bereicherung für unsere gesamte Mannschaft war. Sein unbändiger Wille, nach all seinen Rückschlägen immer wieder zurückzukehren nötigt uns allen dabei großen Respekt ab“, so Popp.

Im Sommer endet nun das sportliche Kapitel von Roland bei unserem FC Loquard. Seine Funktion als Zweiter Vorsitzender wird er jedoch weiterhin vereinstreu ausführen, was im Sinne aller Vereinsmitglieder ist, weshalb die Einschätzung unseres Ersten Vorsitzenden Joachim Harberts durchaus als repräsentativ gelten kann: „Ein Vorstand lebt von der Vielfältigkeit seiner Mitglieder. Und genau deshalb ist Roland so wichtig für unseren FC Loquard. Er ist immer zuverlässig und äußerst hilfsbereit, sodass ich mir keinen besseren Stellvertreter vorstellen kann. Obwohl es ihm körperlich, aufgrund seiner Hüft-Problematik, nicht immer gut ging, hat er das andere nie spüren lassen und immer seinen Mann gestanden. Das gilt sowohl auf dem Platz wie auch bei seiner Arbeit in unserem Vorstand. Roland ist sich für nichts zu schade und trägt durch seine offene Art und Weise immer zu einer konstruktiven Diskussion bei. Wir sind unglaublich froh und unendlich dankbar, dass Roland unserem FC Loquard trotz seines Wechsels nach Pewsum erhalten bleibt“, so Harberts.

Sportlich bleiben Erinnerungen an unvergessliche schwarz-weiße Momente, in denen Roland seinen Mitspielern eindrucksvoll zeigte, dass durch unbändigen Willen und Ehrgeiz Grenzen verschoben werden und ärztliche Prognosen widerlegt werden können.

Der gesamte FC Loquard dankt Roland für 14 Jahre Herzblut auf dem Loquarder Grün und freut sich gleichzeitig auf die verbleibende Spielzeit 2021/2022 sowie viele weitere Stunden abseits dessen auf unserer Sportanlage.

Ihm, seiner Frau Liza, die er zur Stunde kirchlich heiratet, Sohn Paul und Hündin Lucy wünschen wir privat alles Glück dieser Welt.

Mach´s gut, Legende!